Feuerkraft auf solidem Fundament

    Seit rund 80 Jahren steht die Härterei Gerster für Qualität in der Wärmebehandlung. Bis heute setzt das KMU in Egerkingen auf moderne Technologien, engagierte Mitarbeitende und strategische Investitionen – und behauptet sich erfolgreich in einem anspruchsvollen industriellen Umfeld. Für ihre überzeugende Verbindung von Tradition und Moderne erhielt die Härterei Gerster AG den Solothurner Unternehmenspreis 2026.

    (Bilder: zVg) Eine bezahlbare und verlässliche Energieversorgung ist für die Härterei Gerster AG in Egerkingen zentral.

    Die Härterei Gerster AG in Egerkingen hat sich vom Kleinbetrieb mit wenigen Verfahren zur mittelgrossen Firma mit rund 110 Mitarbeitenden und allen gängigen Wärmebehandlungsverfahren entwickelt. Johann Christian Gerster gründete das Unternehmen 1950 in Gelterkinden. Seine Enkelin Martina Gerster führt nach ihrem Vater Urs Gerster das Familienunternehmen in der dritten Generation und ist seit 2009 Verwaltungsrätin und seit 2015 Vorsitzende der Geschäftsleitung. «Wir können auf einer starken Tradition aufbauen, die seit 75 Jahren von meinem Grossvater und Vater geprägt und weiterentwickelt wurde.» Diese langjährige Tradition steht für Qualität und schafft sowohl nach innen als auch nach aussen Vertrauen und Orientierung. Nebst Sicherheit, Zuverlässigkeit und einer langen Lebensdauer der behandelten Bauteile sind Flexibilität und das unternehmerische Handeln tief in der Firmen-DNA verankert. «Wir müssen schnell auf Veränderungen reagieren können. Dafür sind gut durchdachte, pragmatische Entscheidungen nötig – dazu gehört auch, kalkulierbare Risiken einzugehen», sagt Gerster. Der Schlüssel zum Erfolg sind insbesondere die Mitarbeitenden, die nicht nur Aufgaben ausführen, sondern aktiv mitdenken, mitgestalten und Verantwortung übernehmen.

    High-Tech-Kompetenz in der Wärmebehandlung
    Gerster ist heute ein international tätiges High-Tech-Unternehmen mit rund 25’000 m² Produktionsfläche und 100 Anlagen, das kundenspezifische Lösungen für unterschiedlichste Industriezweige anbietet. Die «Welt der Wärmebehandlung» umfasst verschiedene Verfahren der Wärmebehandlung, darunter Einsatzhärten, Nitrieren, Vakuumhärten oder Induktionshärten. Neben Wärmebehandlungen an den Standorten in Egerkingen (SO), La Sarraz (VD), Agno (TI) und Wetter-Ruhr in Deutschland bietet die Gerster Gruppe ihren Kunden auch Beratung, Labordienstleistungen und Contracting-Lösungen an, um sie bei der Optimierung ihrer Prozesse und Produkte zu unterstützen.

    Martina Gerster: Wir arbeiten als energieintensiver Betrieb kontinuierlich daran, unseren Energieverbrauch zu optimieren und den CO₂-Ausstoss zu reduzieren.»

    «Konkret umfasst unser Angebot Beratungsdienstleistungen wie Konstruktionsberatung, Prozessoptimierungen, Expertisen, Validierungen, Auditierungen, Prozessanalysen sowie Unterstützung im Qualitätsmanagement», erklärt die 45-jährige Chefin. Im Bereich der Labordienstleistungen führen die Spezialisten für Wärmebehandlungen unter anderem metallografische Untersuchungen, Schadenfallanalysen, Härte- und Rissprüfungen, Spektralanalysen sowie mechanische Prüfungen durch. Darüber hinaus begleiten sie ihre Kunden im Rahmen von Contracting-Projekten von der Bedarfsabklärung über die Verfahrensdefinition und Projektierung bis hin zur Inbetriebnahme, Schulung und dem laufenden Support – inklusive Ofenausmessungen und weiterführender Betreuung.

    Am Standort Egerkingen veredelt das Unternehmen Bauteile der Kunden und verarbeitet auf über 100 Wärmebehandlungsanlagen auf 25’000 m² Produktionsfläche täglich etwa 150 Aufträge, von schweren Einzelstücken bis zu Kleinstteilen in Millionenserien. Die Härterei Gerster AG arbeitet für Kunden im In- und Ausland in den verschiedensten Branchen wie beispielsweise Maschinenbau, Hydraulik, Antriebstechnik, Automobilindustrie, Medizintechnik, Luftfahrt, Elektro-, Konsumgüter- und Lebensmittelindustrie. Das Unternehmen ist auch im Ausland tätig: «Der direkte Exportanteil beträgt rund 15 Prozent, zusätzlich gelangen etwa 80 Prozent der von uns behandelten Bauteile indirekt über unsere Kunden in internationale Märkte. Damit sind wir indirekt stark international ausgerichtet.»

    «Als Industriebetrieb sind wir auf attraktive Rahmenbedingungen und einen starken Werkplatz Schweiz angewiesen.»

    Der gekonnte Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne strahlt indessen über die Kantonsgrenzen hinaus. Dafür wurde das KMU anfangs Jahr mit dem Solothurner Unternehmerpreis 2026 ausgezeichnet: «Der Preis motiviert uns, auch in herausfordernden Zeiten zuversichtlich in die Zukunft zu blicken und unsere Geschichte auf der Basis bewährter Werte, zugleich aber offen für Neues, fortzuschreiben», betont die Chefin.

    Nachhaltigkeit und Qualität als kontinuierlicher Erfolgsfaktor
    Nachhaltigkeit ist fest im Unternehmensalltag verankert und wird seit vielen Jahren aktiv gelebt – insbesondere mit einem starken Fokus auf Energieeffizienz. «Wir arbeiten als energieintensiver Betrieb kontinuierlich daran, unseren Energieverbrauch zu optimieren und den CO2-Ausstoss zu reduzieren.» Ein wichtiger Bestandteil dabei ist die Zusammenarbeit mit der Energie-Agentur der Wirtschaft EnAW. «So können wir neue Ansätze identifizieren, Fördermöglichkeiten nutzen und unsere Entwicklungen extern begleiten lassen.» In der Produktion setzt das KMU unter anderem auf moderne und automatisierte Anlagen, die effizienter arbeiten und einen optimierten Energieeinsatz ermöglichen. «Nachhaltigkeit ist für uns kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Bestandteil unseres unternehmerischen Handelns, bei dem ökologische und ökonomische Aspekte gemeinsam berücksichtigt werden», betont Gerster.

    In der Produktion setzt das KMU unter anderem auf moderne und automatisierte Anlagen, die effizienter arbeiten und einen optimierten Energieeinsatz ermöglichen.

    Zwischen Kostendruck und Energieabhängigkeit
    Die Härterei bewegt sich in einem anspruchsvollen Umfeld: Industrie und Werkplatz Schweiz stehen unter Druck. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, ist eine konsequente Kostenkontrolle entscheidend. Gleichzeitig ermöglichen finanzielle Reserven gezielte Investitionen – etwa in die Modernisierung bestehender Anlagen sowie in zusätzliche Öfen in Wachstumsbereichen. Eine zentrale Herausforderung liegt in der geringen Planbarkeit des Geschäfts. Da weder Lager noch eigene Produkte vorhanden sind, erfolgt die Tätigkeit strikt auftragsbezogen. Auslastung, Ressourcen und Prozesse müssen laufend flexibel angepasst werden. Dies erfordert schnelle, pragmatische Entscheidungen – bei gleichzeitig konstant hoher Qualität, Zuverlässigkeit und Termintreue.

    Auch externe Faktoren prägen das Umfeld. «Als Industriebetrieb sind wir auf attraktive Rahmenbedingungen und einen starken Werkplatz Schweiz angewiesen», so Martina Gerster. Besonders entscheidend ist die Energie: Wärmebehandlung bleibt energieintensiv und zählt zu den wichtigsten Kostenfaktoren. «Auch wenn sich unsere Verfahren technologisch stark weiterentwickelt haben, bleibt die Wärmebehandlung energieintensiv.» So sind laufende Effizienzsteigerungen notwendig, dennoch bleibt eine bezahlbare und verlässliche Energieversorgung zentral. Diese kann langfristig nur im Zusammenspiel von Wirtschaft, Politik und Wissenschaft sichergestellt werden.

    Corinne Remund

    www.gerster.ch


    Lernende als Impulsgeber

    Die Nachwuchsförderung hat für die Härterei Gerster AG zentrale Bedeutung: Sie sichert die Zukunft des KMU und wirkt den Fachkräftemangel entgegen.

    Als Industriebetrieb ist Gerster auf gut ausgebildete und engagierte Mitarbeitende angewiesen, die hohe Qualitäts-, Sicherheits- und Zuverlässigkeitsstandards mittragen.

    Gleichzeitig ist die Ausbildung von Lernenden eine Investition in Menschen und Unternehmenskultur. Junge Talente werden früh an Werte herangeführt, fachlich gefördert und zu eigenständigem Denken sowie zur Übernahme von Verantwortung ermutigt. Auch das Unternehmen profitiert: «Lernende bringen neue Perspektiven, frische Ideen und hohe Motivation ein. So entsteht ein engagiertes, loyales Team – ein zentraler Erfolgsfaktor und Ergebnis einer konsequenten Nachwuchsförderung», stellt Martina Gerster, CEO der Härterei Gerster AG, fest. Das Unternehmen bildet zurzeit Physiklaborant/-in EFZ sowie Produktionsmechaniker/-in EFZ aus.

    Lernende aktiv einbinden
    Der Fachkräftemangel ist auch für das KMU in Egerkingen ein Thema. «Bei der Rekrutierung unserer Lernenden setzen wir auf verschiedene Massnahmen. So bieten wir jährlich mindestens einen Berufserkundungstag pro Lehrberuf an, an dem Schülerinnen und Schüler einen praxisnahen Einblick in die Berufe der Härterei Gerster AG erhalten», betont die Chefin. Und ergänzt: «Dabei werden unsere aktuellen Lernenden aktiv eingebunden und sind wichtige Botschafter der Ausbildung.» Zudem ist Gerster regelmässig an regionalen Berufsmessen vertreten, wo das KMU seine Lehrberufe präsentiert und ebenfalls seine Lernenden in die Betreuung der Interessierten einbeziehen. «Wir haben insgesamt mit diesem Vorgehen gute Erfahrungen gemacht und konnten bisher stets Lernende finden, die gut zu unserem Unternehmen passen», freut sich Martina Gerster.

    Weiterbildung als zentraler Erfolgsfaktor
    Die Ausbildung der Mitarbeitenden erfolgt überwiegend im Arbeitsalltag, da fundierte Erfahrung in der Wärmebehandlung am Markt kaum verfügbar ist. Neue Mitarbeitende werden deshalb gezielt «on the job» und entsprechend ihrer Funktion sowie Vorkenntnisse eingearbeitet.

    Fachspezifisches Wissen wird durch interne Schulungen und den Austausch mit erfahrenen Mitarbeitenden vermittelt. «Das Wissen unserer Mitarbeitenden ist für uns von zentraler Bedeutung und bildet die Grundlage für die Qualität unserer Arbeit. Entsprechend hat die Weiterbildung bei uns einen hohen Stellenwert, da sie wesentlich dazu beiträgt, bestehendes Wissen zu sichern, zu vertiefen und kontinuierlich weiterzuentwickeln.»

    CR

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