Der Wald im Klimastress

    Die Folgen des Klimawandels sind Ende Juli in den Wäldern beider Basel unübersehbar. Zahlreiche Bäume zeigen vertrocknete Kronen, vorzeitigen Blattfall oder bereits abgestorbene Kronenteile. Der Hitzesommer 2026 ist noch nicht vorbei. Gleichzeitig wird deutlich: Der Wald der Zukunft braucht eine aktive, langfristige Pflege – und Waldbesuchende müssen mit waldtypischen Gefahren rechnen.

    (Bild: Janik Aus den Erlen, Guaraci Forest Consulting) Baumholzbestand mit abgestorbenen Buchen: aufgrund der Trockenheit, Lange Erle (BS), 30. Juli 2026.

    Der Juli 2026 gehört schweizweit zu den heissesten Julimonaten seit Messbeginn. Gleichzeitig fiel vielerorts deutlich weniger Regen als üblich. Seit April weisen zahlreiche Messstationen aussergewöhnlich grosse Niederschlagsdefizite auf. Die hohen Temperaturen verstärken die Verdunstung und entziehen Böden und Vegetation zusätzlich Wasser (MeteoSchweiz). Diese Entwicklung ist in den Wäldern beider Basel deutlich sichtbar. Kronen werden schütter, Äste sterben ab und einzelne Bäume vertrocknen vollständig. Dabei handelt es sich nicht nur um ein kurzfristiges Phänomen: Wiederholte Trockenjahre schwächen die Bäume und machen sie anfälliger für Krankheiten, Schädlinge und weitere Extremereignisse.

    Erneut Sicherheitsfällungen notwendig
    Abgestorbene Äste und geschädigte Bäume können unvermittelt brechen oder umstürzen. Besonders bei Erholungseinrichtungen, stark frequentierten Wegen und an Strassen beurteilen Waldeigentümer/innen und Gemeinden die Situation. Aus Sicherheitsgründen werden auch im kommenden Herbst Fällungen notwendig sein; weitere können im nächsten Frühling oder Sommer folgen. Die Eingriffe dienen dem Schutz der Bevölkerung und erfolgen dort, wo das Risiko erhöht ist.

    Wald ist ein Naturraum
    Der Wald ist ein Naturraum und kein Park. Wer ihn betritt, bewegt sich auf eigene Verantwortung und muss sich der waldtypischen Gefahren bewusst sein. Dazu gehören beispielsweise herabfallende Äste, abbrechende Kronenteile oder umstürzende Bäume. Abgestorbene Äste, Kronenteile und Bäume gehören als Totholz zu einem natürlichen Waldökosystem und erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Es gehört zur Eigenverantwortung der Waldbesuchenden, sich über die Risiken zu informieren und mit offenen Sinnen den Wald zu betreten und sich entsprechend zu verhalten. Gleichzeitig ist eine vollständige Sicherung des Waldes weder möglich noch sinnvoll. Auch gesunde Äste können bei Wind und Gewittern abbrechen. Die Stabilität des Waldes kann nie zu 100 Prozent gewährleistet werden.

    Zuständigkeiten gemeinsam klar regeln
    Die Situation zeigt, wie wichtig klare Absprachen zwischen Gemeinden, Behörden und Waldeigentümer/innen sind. WaldBeiderBasel empfiehlt Leistungsvereinbarungen, die Zuständigkeiten, Dokumentation und Priorisierung von Sicherheitsmassnahmen regeln. Wo erhöhte Risiken bestehen, können Bäume entfernt oder Bereiche gesperrt werden. Eine pauschale Sicherung aller Wege ist nicht möglich. Die Anpassung des Waldes an den Klimawandel ist eine Generationenaufgabe und braucht verlässliche Rahmenbedingungen..

    Welchen Wald wollen wir morgen?
    Der Wald verändert sich und muss sich an veränderte Bedingungen anpassen – dafür benötigt er jedoch Zeit und Unterstützung. Gefragt sind vielfältige Wälder mit unterschiedlichen Baumarten, Altersstufen und Strukturen. Naturverjüngung, gezielte Pflege, die Förderung geeigneter Baumarten und eine nachhaltige Nutzung des nachwachsenden Rohstoffs Holz sowie genügend finanzielle Mittel für die Waldpflege gehören zu den wichtigsten Instrumenten. Die Waldeigentümer/innen und ihre Waldbewirtschafter/innen können diese Entwicklung steuern. Sie können jedoch die finanziellen Folgen des Klimawandels nicht allein tragen. Die Anpassung der Wälder ist eine langfristige Aufgabe von Waldeigentümer/innen, Gemeinden, Kantonen, Bund und Gesellschaft. Bereits heute zeigen regionale Beispiele, dass kontinuierliche Investitionen in Waldpflege und Naturschutz über Jahrzehnte positive Wirkungen entfalten.

    Kühlleistung des Waldes
    Der Wald wirkt im Sommer wie eine natürliche Klimaanlage: Durch Schatten und die Verdunstung (Evapotranspiration) von Wasser, kühlt er seine Umgebung spürbar ab. Gehen infolge der Trockenheit beispielsweise rund 30 Prozent der Baumkronen beziehungsweise der aktiven Blattfläche verloren, nimmt auch die Kühlleistung des Waldes deutlich ab. Je nach Ausmass der Kronenschäden kann die natürliche Kühlwirkung des Waldes um 30 bis 50 Prozent abnehmen – mit höheren Temperaturen im Wald und in seinem Umfeld. Der Wald bleibt auch während Hitze und Trockenheit ein wertvoller Erholungs- und Lebensraum. WaldBeiderBasel bittet die Bevölkerung jedoch um besondere Aufmerksamkeit: Der Wald ist ein Naturraum mit waldtypischen Gefahren. Beobachten Sie Ihre Umgebung, meiden Sie Aufenthalte unter sichtbar geschädigten oder abgestorbenen Bäumen, verlassen Sie den Wald bei starkem Wind oder Gewittern. Respektieren Sie Absperrungen und Anweisungen der Waldeigentümer, Forstdienste und Behörden.

    pd


    WaldBeiderBasel

    WaldBeiderBasel vertritt als Verband die Interessen der Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer beider Basel und setzt sich für gesunde, vielfältige und klimafitte Wälder ein. Damit der Wald seine Leistungen für die Gesellschaft – wie den Schutz vor Naturgefahren, die Kühlung des Siedlungsraums, die Trinkwasserfiltration sowie die Erholung – auch in Zukunft erbringen kann, engagiert sich der Verband auf politischer Ebene für ausreichende finanzielle und gesetzliche Rahmenbedingungen. Denn die Anpassung der Wälder an den Klimawandel ist eine langfristige Generationenaufgabe, die nur gemeinsam von Waldeigentümern, Politik und Gesellschaft bewältigt werden kann.

    www.waldbeiderbasel.ch

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